KW36/2026: Digitale Transformation im Banking – Monatsüberblick
Der August 2026 hat der Digitalisierung im deutschen und europäischen Banking noch einmal spürbar Tempo verliehen. Zwischen Kernbanken-Modernisierung, dem Vormarsch von KI-Agenten bis in den Zahlungsverkehr hinein und den ersten konkreten regulatorischen Weichenstellungen für die EUDI-Wallet zeichnet sich ab. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen der letzten Wochen.
Payments: Wero, Google Pay und der Weg zum Agentic Commerce
Im Zahlungsverkehr setzt sich die Wero-Welle fort: Nach großen Handelsketten rollt N26 den europäischen Instant-Payment-Standard Wero für grenzüberschreitende Sofortüberweisungen zwischen Deutschland und Frankreich aus, während hierzulande auch die Drogeriekette dm die App integriert, wie der Hybridbanker berichtet. Wero positioniert sich damit zunehmend als europäische Antwort auf Kartennetzwerke und Wallets aus den USA.
Gleichzeitig zeigt ein Hybrid-Talk-Interview mit Google-Pay-Deutschlandchef Victor Bergmann, wohin die Reise im Payment-Bereich langfristig geht: weg von isolierten nationalen Insellösungen, hin zu einer offenen, tokenisierten Infrastruktur, die nicht nur Menschen, sondern zunehmend auch autonome KI-Agenten beim Bezahlen bedienen soll – Stichwort „Agentic Commerce“. Der Bank Blog ergänzt dazu eine Analyse, was es für Ökosysteme braucht, damit Payment-Lösungen europaweit tatsächlich skalieren.
AI/Automation: Von der KI-Pilotphase zur industriellen Skalierung
Beim Thema Künstliche Intelligenz dominiert im August ein Begriff: Skalierung. BBVA beschreibt in einem vielbeachteten Beitrag seine Drei-Wellen-Strategie – von der flächendeckenden KI-Nutzung durch über 100.000 Mitarbeitende über die Top-down-Agenda „The Eight“ bis hin zur Industrialisierung von KI-Agenten mit einem einheitlichen technischen Framework. Der Bank Blog flankiert dies mit einer eigenen Studienauswertung zu „Agentic AI: Vom Pilotprojekt zur Skalierung“.
Dass KI-Agenten nicht nur intern, sondern auch am Kunden selbst ansetzen, zeigt ein Schritt von Scalable Capital: Der Neobroker öffnet eine Kunden-Schnittstelle, über die sich ETF-Orders künftig per Prompt an einen KI-Agenten auslösen lassen – ein frühes, aber konkretes Beispiel für Agentic Commerce im deutschen Retail-Finanzgeschäft. Parallel diskutiert der Bank Blog, was es für Banken bedeutet, wenn KI-Agenten künftig eigenständig einkaufen und damit auch Zahlungsentscheidungen treffen.
Auf Verbandsebene reagiert die Deutsche Kreditwirtschaft auf die wachsende Abhängigkeit von Cloud- und KI-Infrastruktur: Sie fordert, europäische Cloud- und KI-Angebote gezielt zu fördern, ohne dabei die freie Anbieterwahl der Institute einzuschränken – ein Balanceakt zwischen digitaler Souveränität und Technologieoffenheit.
Regulierung: EUDI-Wallet und neue Regeln fürs Onboarding
Regulatorisch nimmt die europäische Wallet für die digitale Identität (EUDI-Wallet) Konturen an. Der Bank Blog ordnet ein, wie eIDAS 2.0, die EUDI-Wallet und die neue EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) das digitale Onboarding verändern: Das bislang dominierende Video-Ident-Verfahren gerät unter Druck, während automatisierte, medienbruchfreie Identifizierungsverfahren auf Basis elektronischer Ausweisdokumente an Bedeutung gewinnen. Mit dem deutschen Digitale-Identitäten-Gesetz (DIdG) entfällt zudem ab dem 20. November 2026 die bislang verpflichtende Referenztransaktion bei der Nutzung einer Qualifizierten Elektronischen Signatur.
Finanz-Szene spitzt die strategische Frage weiter zu: Ab Ende 2027 müssen Banken die EUDI-Wallet akzeptieren – wer sie aber nur als vierten Identitätsprovider neben bestehenden Verfahren behandelt statt sie als „Single Point of Truth“ für die Kundenidentität zu nutzen, verschenkt erhebliches Potenzial. Der Bank Blog rundet das Themenfeld mit einer Übersicht zu fünf Compliance-Trends bis 2030 ab.
Infrastruktur: Kernbankensysteme rücken zurück ins Zentrum
Nach Jahren, in denen Investitionen vor allem in kundennahe Touchpoints flossen, rückt die Modernisierung der Kernbankensysteme wieder in den Fokus der IT-Strategie. Eine Analyse im Bank Blog macht deutlich, dass drei Zukunftsfragen – KI-Fähigkeit, digitale Souveränität und IT-Kosteneffizienz – alle am Kernbankensystem hängen, und dass Zögern bei der Modernisierung zunehmend teurer wird als der Umstieg selbst. Passend dazu vertraut die Deutsche Bank für die Erneuerung ihres Kernbankensystems auf die Cloud-native Plattform von Thought Machine – ein weiteres Signal, dass auch etablierte Großbanken ihre technische Basis grundlegend erneuern. Ergänzend fragt der Bank Blog, wie souverän die IT deutscher Finanzinstitute im internationalen Vergleich tatsächlich ist.
Fazit
Der gemeinsame Nenner der August-Nachrichten: Digitale Transformation im Banking wird durch KI fundamental verändert. KI-Agenten übernehmen erste reale Kundeninteraktionen, Zahlungsinfrastruktur wird europäisch und agentenfähig gedacht, die Regulierung schafft mit der EUDI-Wallet einen neuen Rahmen für digitale Identität – und all das trifft auf Kernbankensysteme, die genau jetzt modernisiert werden müssen, um mithalten zu können. Institute, die diese vier Stränge – Payments, KI, Regulierung und Infrastruktur – zusammendenken, verschaffen sich einen klaren Vorsprung.
Hinweis: Für diesen Überblick wurden folgende Quellen ausgewertet: hybridbanker.de, fintechnews.ch/fintechgermany, der-bank-blog.de, finanz-szene.de und bvr.de.
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